casper – xoxo

das neue album von casper habe ich mir aus vielen gründen gekauft, aber aus einem ganz bestimmt nicht: weil ich hiphop-fan bin. das war vielleicht mal, aber meine wertschätzung für hiphop verhält sich wie die toten hosen zu punk. nostalgisch. manchmal wehmütig, aber nicht mehr teil meiner gegenwart.
das gilt alles nicht für casper. der mann ist die gegenwart… vielleicht auch ein wenig zukunft.

„ich bin nicht mehr allein draußen im game“
(thees uhlmann im tagesspiegel)

caspers album xoxo habe ich mir letztlich mit „säkert! på engelska“ gekauft und porto gespart. dabei war die platte bis wenige momente davor nicht teil meines wunschzettels. dann tauchten meldungen auf, dass frank turner beim fest van cleef dabei ist. casper feierte das auf twitter. genau das war der auslöser. wer frank turner zu würdigen weiß, erhält meine aufmerksamkeit. davor hätte ich vielleicht „so perfekt“ oder den titeltrack „xoxo“ als mp3 gekauft. nun habe ich gleich ein paar stücke mehr. elf um genau zu sein, macht also insgesamt 13.

in dem nicht nur wegen des zeitpunkts sehr lesenswerten interview mit laut erklärt casper, dass es ihm wichtig war, indie-fans ein positives urteil zur platte abzuringen. das ist für mich gesprochen gelungen. zweifellos lässt sich nicht verheimlichen, dass über weit mehr als eine dreiviertelstunde ein hiphopper – ein sogenannter rapper – sein werk präsentiert, aber das gelingt durch eine angenehme melange von rhythmusbetonter musik auf den viervierteltaktpunkt, sprechgesang mit konsequentem verzicht auf lästige schwanzvergleiche.
doch die themenwahl auf xoxo ist erstaunlich klischeefrei und breitgefächert, die musikalischen elemente erinnern angenehm an new-wave. die texte stellen dann auch musik-fanatiker vor schweren aufgaben. dass thees uhlmann die smith zitiert, geschenkt, dass casper smiths-platten in „xoxo“ charmanter und subtiler erwähnt, als seinerzeit farin urlaub, wow. nie im leben hätte ich bei „michael x“ ein turbostaat-zitat erwartet, da ist aber eins. überhaupt: „michael x“, der gruß – vielleicht auch abschiedszeilen – an denjenigen, der andere mit fragen zurückließ, geht mir (zumindest) sehr nah und in mir kommen zweifel hoch, ob das hier noch hiphop ist oder schon – bei aller unmittelbarkeit – großartiges storytelling geschätzter singer songwriter. inzwischen gibt es den song als single veröffentlicht und als video:

die musik durchweht ständige eine für meine plattensammlung seltene, fast schon außergewöhnliche melancholie. manchmal so sehr, dass ich mich zusammenreißen musste, musikhörend weiterzulaufen anstatt in den einkaufsstraßen oder auf touripfaden in tränen ausbrechend einfach stehen zu bleiben. an anderen stellen wiederum übernimmt die gänsehaut. das gelingt beispielsweise bei „so perfekt“, wo auch marteria ein gastspiel gibt. die hymne für warmduscher, also für den großteil der menschen, die vieles verstehen aber übersehen oder erst spät einsehen, dass sie nicht die einzigen sind, geht weit über ein schulterklopfen hinaus. die strophen des liedes musikalisch gemütlich wandeln sich im refrain in ein treibendes feierbiest mit zahlreichen anknüpfungspunkten für technolastigere stücke. derlei kannte ich bis dato eher von den killers oder den späten coldplay.
allein der einstieg ins album lässt mich etwas ratlos zurück, aber das kann sich mit der steigenden zahl der durchläufen – auf die man auch in zeiten von mp3-playern nicht verzichten sollte – noch ändern. aber vielleicht bleibt es auch dann ein wenig über die spitze getrieben. casper ist mit seinem zweiten album xoxo auf platz 1 der albumcharts eingestiegen. absolut verdient, finde ich.

trackliste:
der druck steigt (die vergessenen pt. 1)
blut sehen (die vergessenen pt. 2)
auf und davon
xoxo (mit thees uhlmann)
michael x
alaska
das grizzly lied
so perfekt (mit marteria)
die letzte gang der stadt
230409
lilablau
arlen griffey (prelude)
kontrolle/schlaf






(nicht nur) krümmelmonster aufgepasst: hier gibts cookies. more information

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