Murmel aber Nice

Es ist schon ein paar Jahre her, als ich begeistert wurde von Wintergatan und seinem Murmespiel. Seitdem verschwanden die Murmeln für mich allerdings wieder ins längst verlassene Reich der Spielzeuge. Bis John Oliver Mitte Mai in einer seiner Sendungen zu Sport in Corona-Zeiten von der Marble League berichtete, die er künftig als Sponsor unterstützen würde. Es hat zwar ein wenig gedauert, bis der Groschen gefallen ist, bzw. die Murmel ins Rollen kam, aber inzwischen kann ich mich dem Suchtfaktor, der durch die Videos von Jelle’s Marble Run entsteht nicht mehr so leicht entziehen.

Der Inhalt der Marble League ist eigentlich völlig belanglos: Murmeln rollen Murmelbahnen hinunter, prallen aufeinander oder fallen aus dem Spielfeld. Spannend wird das ganze durch eine künstlich geschaffene und abwechslungsreiche Wettkampfsituation, in der Murmeln bestimmten Teams mit wiedererkennungswert zugeordnet sind und vermeintliche Leistung abliefern. Absurd wird das ganze, durch die Geschichten, die ein Reporter des Wettkampfs mit Ablauf des Geschehens erzählt. Die Form ist teilweise professioneller als ich es aus früheren Formel-1-Übertragungen gewohnt war.

Natürlich gibt das Geschehen mit den Rahmebedingungen genug her für Geschichten, aber mit Verlauf des Wettbewerbs und bei den regelmäßig angezeigten Wertungen kann auch – Zufall hin oder her – auf zurückliegende „Erfolge“ oder „Pechsträhnen“ verwiesen werden. Dabei entsteht eine teilweise fesselnde Spannung und mit der Zeit entwickelt sich bei manchen sogar ein Team zum heimlichen Favoriten. Großartig wird das ganze schließlich durch die Detailverliebtheit der Verantwortlichen. Es erinnert ein wenig ans Wrestling der 90er, aber ohne gut und böse (bis hierhin) und darüber hinaus ungescripted.

Am Ende ist das Ergebnis relativ egal. Relativ, weil der oder die Gewinner der aktuellen Staffel jeweils ihr Preisgeld für einen wohltätigen Zweck spenden. Egal, weil die Welt sich davon unbeeindruckt weiterdreht. Aber das gilt auch nach schon erwähnten Formel-1-Rennen oder Wrestling-Großveranstaltungen. Die Macher der Marble Runs, Jelle Bakker und sein Bruder, inzwischen mit einem Team sind schon seit ein paar Jahren auf Youtube mit abwecshlungsreichen Wettbewerben aktiv. Von daher darf man davon ausgehen, dass es auch nach der aktuellen Marble League Staffel weitergeht. Für Spannung muss man dabei nicht sorgen, die kommt von ganz alleine auf.

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