„mucken, mucken, mucken“

bevor am 10.11. die geschätzte sprechstation heinz strunk präsentiert war es nun auch mal endlich für mich an der zeit „fleisch ist mein gemüse“ zu lesen. ich will am abend ja nicht unvorbereitet wirken.

das buch soll autobiografisch sein, dieses wort wird jedenfalls häufiger mit dem text zusammengebracht. zwischendurch würde ich gerne aber auch die beschreibungen für mich beanspruchen. aber das betrifft wohl nicht nur mich. genau hier könnte auch der grund gesehen werden, warum ich ein exemplar der 13. auflage zu meinem eigen zählen kann. altersmäßig, geografisch und wasweißichnochwo liegt die literarische figur zwar weit von mir entfernt, aber manche situationen oder gedanken wirken universell teilbar, wie etwa dies:

„herrje! mein leben war ja schon ziemlich trist, aber anders trist! meine tristesse war mir lieber“

dem ist doch nichts mehr hinzuzufügen, jedenfalls in solchen fällen, wenn mal wieder etwas – aus gründen – an einer freundschaft vorbeiverläuft. auf über 250 seiten kann der leser dem protagonisten dabei zusehen, wie die zeit verstreicht, ohne das etwas passiert. die massive lust am stillstand oder am versagen ohne sich überhaupt aufgaben zu stellen. dabei jedoch eine spannung aufrecht zu halten ist eine enorme leistung. gratuliere, heinz strunk. die figur, von der bezweifelt werden kann, dass sie sich weigert erwachsen zu werden, denn dafür ist sie zu apathisch lethargisch, meistert den spagat zwischen absoluter zurückgezogenheit und dienstleistung an festgesellschaften als teil der band tiffanys. musikalische refferenzen gibt es zwar en masse, spielen – für mich – dennoch allenfalls für kindheitserinnerungen eine rolle. all die, die nichts lieber sehen, als sendungen hitparaden mit dieter thomas heck, werden ihre freude habe.

das ende verläuft ein wenig unspektakulär, sofern man erwartet, dass noch etwas passiert, die geschichte noch eine wendung nimmt. aber es plätschert einfach aus.
ein weiterer punkt, von dem ich nicht weiß, ob er kritik oder fakt ist, ist der dass mir das buch nicht vermitteln konnte, warum ich es unbedingt lesen musste. im nachhinein bin ich aber froh, es gelesen zu haben. dieses literarisch verwurstelte heranwachsen oder aufwachsen, aus der feder von menschen, die ebenfalls erst nach goethes oder schillers tod geboren wurden, setzt sich allmählich zu einem stimmigen bild zusammen.

„von der lust am einknicken“

hurra, wir kapitulieren!“ überschreibt henryk m. broder in seinem aktuellen buch und ich musst feststellen: auch wenn mir sehr viele formulierungen durchaus zusagen, ich habe keine seite eingeknickt (was durchaus mal vorkommen kann, wenn mir zitate ins auge springen). (und das einnicken war auch nur von kurzer dauer. btw, danke nochmal!) also weniger „hurra“, als „oha“.
kann man sagen, dass sich das buch mit dem konflikt zwischen islam und christentum (aka „die westliche welt“) dreht, wenn diese stets von einer seite aggressiv und von der anderen beschwichtigend geführt werden? das ist doch kein konflikt, sondern mehr ein ritual vor einem solchen.
wie auch immer, auf 161 seiten zeigt broder die skurilen situationen des (be)leidigen rituals auf und schießt zielsicher an friedlichen „kommt zusammen“-lösungsansätzen vorbei. schlimmer noch, er gibt gar keinen lösungsansatz. er weißt nur auf diesen riesen haufen scheiße hin, in den wir nicht hineintreten, sondern in dem sich die gesamte gesellschaft suhlt. nur weil sich jemand beim spielen nicht benehmen kann. ist das buch als weckruf zu verstehen? wohl kaum. die aufgeweckteren teilen wohlmöglich die ansichten des autors und die träumer setzen ihre beschwichtigungspolitik fort.
von guter unterhaltung möchte ich in diesem zusammenhang eigentlich nicht sprechen, weil das thema nicht sehr spaßig ist, aber lachen ist nunmal nicht nur eine panische reaktion reaktion, sondern auch die freundlichste art, jemandem die zähne zu zeigen.
also lache ich einfach alle aus. wenn ich es nicht schon bin, dann nehme ich mir fürs nächste jahr vor, nihilist zu werden.

subversion durch affirmation

hartmut und ich (aus dem fischer verlag) waren die begleiter in den vergangenen tagen, ein „wg-roman“ für den alltag. das label „wg-roman“ ist mir zwar ein wenig suspekt, vielleicht auch, weil ich noch nie in einer wg gewohnt habe (elternhaus ausgeschlossen), aber das ist ja auch nicht von mir gesagt, sondern auf das buch aufgeklebt.

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bald ist ja wieder weihnachten

es ist, als stünden wir in einem riesigen computer, und die häuser sind als prozessoren mit vielen losen kabeln an das motherboard angeschlossen, der tower ist transparent, und sein inneres leuchtet, und für den großen user über uns sind wir auch bloß wuselnde würmchen wie für uns die punkte in den lichtschläuchen dieser nacht.
(oliver uschmann – hartmut und ich)

großartiges buch, mehr dazu aber ein anderes mal.

gegen für die wandt

für entspanntes feiern! s&i&s laden heute abend zum zuhören ein und danach darf getanzt werden, beides in der kantine kn. hans nieswandt schaut erneut in konstanz vorbei und wird vor-lesen und auf-legen. genau das richtige für meinen momentan doch recht tristen alltag. eskapismus für die ohren. mal gespannt, was es aus disko ramallah zu erzählen gibt.

crazy

ich hab keinen zugang zu benjamin lebert.

zwei bücher habe ich von ihm gelesen und ich weiß nicht warum, d.h. ich wünschte mir, ich könnte einschneidende erlebnisse anführen. kann ich aber nicht.
crazy habe ich gelesen, als alle schon damit durch waren und auch der film nicht mehr im kino lief (den ich mir im übrigen noch nicht angesehen habe, geschweige denn ansehen will) und nun kannst du.
an dem neuesten buch von lebert kam ich nicht vorbei, weil zwei menschen eine tour durch skandinavien machen. da war ich ja auch gerade. deshalb wohl der griff zum buch im bücherladen.
der erste eindruck war etwas verwirrend. die sätze auf den ersten seiten waren nicht stimmig, konnten von mir nicht in einem fluss gelesen werden. vielleicht prasselte zu viel vorstellung hinein, erst einmal alle kennenlernen. mir solls recht sein.
nach ein paar seiten konnte ich mich dann doch noch gemütlich zwischen den einzelnen kapiteln (abschnitten) anderen dingen widmen (z.b. schlafen, lernen) gerade eben ging es dann nicht mehr. das buch musste fertig gelesen werden und jetzt sitze ich hier und bin … unbefriedigt!

zum einen weil sich mir die geschichten von und über tim, der hauptfigur, nicht erschließen wollen. da schreibt lebert von einer völlig anderen welt, die mir trotz aller beschreibungen schlicht fremd bleibt und doch ständig wirkt, als wolle sich hier jemand die last von der eigenen seele schreiben… diese probleme tangieren mich aber in keinster weise.
und auf der anderen seite sind da die geschichten mit tanja, der zweiten protagonistin, die mich vollkommen mitgerissen haben. wahrscheinlich, weil ich dieses helfer-syndrom habe und tanja offensichtlich von inneren dämonen besessen ist. dämone, die ich selbst schonmal bei anderen gerne aus der welt geschafft hätte, aber die einfach stärker waren. (notiz an mich: „deshalb ja auch dämone! d’oh!“) es fasziniert, weil die tanja-figur die aufmerksamkeit nicht sucht, sondern anzieht. weil lebert hier der balanceakt zwischen fragilität und absolutem wahnsinn sehr gut gelingt.

die story: zwei menschen gehen gemeinsam auf reisen und lernen den anderen irgendwo zwischen trelleborg und oslo „richtig“ kennen. leider sind die zwei letzten wendungen im buch (spoiler: puff und bremen) keine echte überraschung. vielleicht sollte es aber auch genau so sein. am ende der beinahe 270 seiten gibt es jedoch keine lösung. möglicherweise weil lebert zu jung ist, wahrscheinlich aber, weil es in einer solchen situation keine richtige lösung gibt.

ich wette, auch dieses buch wird verfilmt werden. möglicherweise mit robert stadlober in seiner letzten rolle als jugendlicher (soweit man anfang zwanzigjährige noch so bezeichnen kann). der film wird erfolgreicher sein als crazy seinerzeit. und ich werde ihn mir wohl auch anschauen, vielleicht hab ich ja danach eine idee, wie ich tanja helfen kann…

bullshit

8 euro ärmer, aber um ein original reicher. in meiner büchersammlung: harry g. frankfurt ihm sein „bullshit„, erschienen im suhrkamp verlag.

im original heißt der aufsatz „on bullshit“ und spätestens hier sollte klar sein, dass es sich nicht um humbug handelt (was nebenbei bemerkt im buch auch sehr gut dargestellt wird).
die länge von 65 seiten täuscht ein wenig, denn die lektüre gerät recht kurzweilig. ein klassetext vielleicht gerade auch für nicht-philosophen, denn er ist gut leserlich, widmet sich etwas abstraktem, dem trotzdem eine gewisse relevanz anhaftet und am ende weiß der leser etwas mehr, verbleibt aber auch ein wenig ratlos. ja es gibt viel bullshit, aber verdammt, es gibt daran kein vorbeikommen. das buch erleichtert den umstand ein wenig.
ehrlich.