die längste zeit kontakt gewesen

es ist mal wieder zeit für einen richtigen trackback

besim karadeniz stellte vor kurzem in seinem netplanet-blog die frage: wie kennt man sich nicht mehr? und erkundigt sich nach dem umgang mit neuen ex-kontakten in diversen social networks oder wie, bzw. ob man dies dem anderen auch vermittelt. daran knüpft er die frage nach einer unterscheidung zwischen virtueller und realer bekanntschaft.

und nachdem ich mich gerade von j darüber belehren lasse, dass diese frage wohl auch in der aktuellen neon diskutiert wird, hier mein kleiner beitrag, basierend auf den gedanken die ich rund um meine masterarbeit über die philosophie der freundschaft und sanktionen gesponnen habe:

achtung nach dem klick wird es sehr ausführlich

zunächst zur unterscheidung zwischen virtueller und realer bekanntschaft. natürlich liegt es nahe, hier eine grenze zu ziehen, aber ist diese grenze tatsächlich auch so wesentlich? denn jemanden gesehen zu haben, heißt nicht ihn besser zu kennen als wenn man ihn nicht gesehen hat. oder doch? der sinnesapparat mag vielleicht stärker beschäftigt sein, doch für das wohlwollen ist es unerheblich, ob man den anderen nun sehen kann oder nicht. wenn man regelmäßig jemanden nur über eine weitere person erreicht, sei es in jungen jahren der freund über dessen eltern oder später der geschäftspartner über das vorzimmer, baut sich ebenfalls ein verhältnis (eine bekanntschaft) zu diesen eigentlich unbeteiligten menschen auf. nur weil man ein paar worte wechselt um zum ziel zu gelangen. an diesem dialog kann man beim nächsten mal anknüpfen und auch wenn man ein „den/die kenne ich (näher)“ verneinen würde, ist man doch miteinander bekannt. es liegt an den beteiligten, was sie daraus machen. gleiches gilt für die kontakte.

man hat bei xing die möglichkeit, die ganze community in die kontaktliste zu verfrachten, myspace-tom ist grundsätzlich der erste „freund“ auf myspace und ähnliche verhält es sich mit anderen „virtuellen gemeinschaften“ und im übrigen auch mit den realen gemeinschaften. ich kann mit jedem im tennisclub gut freund sein und – mit etwas geschick – setzt gleich ein ganzer parteitag sein vertrauen in mich. doch was macht diese kontakte aus? (um diese diskussion nicht zu weit zu fassen, beschränke ich mich auf xing.)

hier unterscheiden sich die einzelnen herangehensweisen. manche einer sucht alte schulfreunde, ein anderer will geschäftskontakte knüpfen, während eine dritte sich als bindeglied und vermittler sieht. die teilnahmemöglichkeiten sind da sehr unterschiedlich. vielleicht hilft es mithilfe von aristoteles etwas struktur hineinzubringen. aristoteles unterscheidet zwischen den sogenannten nutz-freunden1, lust-freunden2 und vollkommenen freunden3. heutzutage hat man meist die vollkommenen freundschaft im kopf, wenn es um (die besten) freunde geht.4 so wird analog aus den kontakten, ein nutz-kontakt, ein lust-kontakt (hallo nächtliche suchtreffer) und – der einfachheit halber – der freund.

wenn jemand die kontaktliste um einen bekannten erweitert, reichen die bandbreite der begründungen von einer kommentarlosen angefragt bis hin zum „mönsch wir haben doch schon im sandkasten burgen gebaut“ – alles dabei. aber so lange der kontakt unbestätigt bleibt, ist das völlig ohne bedeutung. ist der kontakt bestätigt spielt das auf den ersten blick ebenfalls keine rolle mehr. der kontakt ist für außenstehende einer von vielen. bei myspace kann man zwar freunde in den wahnsinn treiben, weil sie plötzlich nicht mehr auf platz 1 oder 2 platziert sind, doch letztlich sehen diese seiten (noch) keinen differenzierteren umgang vor.

es sind die beteiligten, die sich – am besten ehrlich – sinn und zweck dieser bekanntschaft ständig vor augen halten (müssen). liegen diese außeinander, sind schwierigkeiten eigentlich unausweichlich, da früher oder später die absichten, ziele oder der einsatz auseinandergehen. jemand der kontakte wie trophäen sammelt kann und wird mit anderen, die den täglichen dialog voraussetzen, schwierigkeiten bekommen. wenn man jedoch die gleichen absichten verfolgt, wird keiner der beteiligten, vorher auf die idee kommen, den kontakt zu beenden und sobald das ziel erreicht ist, sollte es beiden wiederum nichts ausmachen, wenn einer den kontakt beendet, da sich sinn und zweck der bekanntschaft erschöpft haben. das ist wohl auch der fall wenn das ziel – in vielen fällen ein wiederaufgreifen des dialogs – an bedeutung verliert, weil auch nach längerem (öffentlichen) kontakt bei xing letztlich kaum ein wort gewechselt wurde.

damit will ich es fürs erste mal belassen. mein interesse, gleich eine zweite masterarbeit zu schreiben, hält sich gerade in grenzen. hier kann und muss man sicherlich noch einige punkte ausarbeiten, aber ich würde gerne erst mal sehen, wo das überhaupt notwendig ist. anmerkungen hierzu bitte in die kommentare.

(via oliver gassner)

  1. diese sind auf vorteile und nutzen aus. heutzutage wohl eher als kollegen, geschäftspartner oder auch „kontakte“ bekannt.
  2. diejenigen, mit denen man gerne zeit verbringt oder angenehme interessen teilt. in „meiner“ westkurve stehen zum beispiel meine lust-freunde, bei konzerten sitzen lust-freunde neben mir oder wenn ich diskutiere mit jemand, einem lust-freund, über ein interessantes buch.
  3. freundschaften, die man führt weil man den anderen schätzt.
  4. nicht selten bilden heutzutage die vollkommenen freunde auch einen wichtigen bestandteil der freundeslisten, in die andere online einblick erhalten. aber wenn ein freund aus überzeugung nicht am internet partizipiert und er daher nicht in der liste auftauchen kann, tut das der pflege der freundschaft keinen abbruch. nur weil ich als early adopter meines freundeskreises plötzlich bei xing bin und nur 2-3 kontakte aufgelistet habe, bin ich noch lange kein soziopath. so etwas belegt auch keine möglichen bindungsschwierigkeiten. um diese freunde geht es allerdings ja auch gar nicht. es geht um kontakte, bekanntschaften.





(nicht nur) krümmelmonster aufgepasst: hier gibts cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close