vorgeschmack nachgeholt

es war letztes jahr, kurz nach meinem geburtstag. stockholm stand schon bevor, mein praktikum bereitete mir einen riesenspaß und in vielerlei hinsicht meinte es das leben gut mit mir (naja, das meint es vorher eigentlich auch schon und danach auch noch, aber ich hab endlich ein paar dinge eingesehen).

ich feierte nach, was bald ein jahr zurück liegt und wurde beschenkt. reichlich. darunter ein buch von den panthern. „made in sweden“ von torbjörn flygt. auf dem buch ein blauer warnhinweis vor elchen auf gelben grund. ja, wenn man den nicht ganz unpassenden originaltitel „underdog“ übernommen hätte, wäre ich wohl nicht in den genuß des romans gekommen. aber mit schweden kann man ja einiges. und vor allem werben. ich kann eine wirkung nicht verheimlichen.

nur leider hatte ich keine zeit mehr das buch vor meiner erasmuszeit zu lesen. was als appetithappen gedacht wurde, verkam verwandelte sich in ein leckeres dessert. ähnlich erging es mir ja mit „wie im himmel„.

in dem buch erzählt johan kraft aus der ich-perspektive von seinem zehnten bis etwa 22. lebensjahr. und neben seiner eigenen entwicklung, dem heranwachsen eines zweitgeborenen mit seiner alleinerziehenden mutter und fünf jahre älteren schwester in einer hochhaussiedlung, schildert der autor nebenbei noch den schwedischen alltag der 70er und 80er jahre. trotz aller probleme, die ein solche herkunft mit sich bringt meistert der junge das leben, wie auch seine ältere schwester, von seiner mutter ganz zu schweigen.
es ist nicht so, dass hier alles ohne tiefpunkte auf ein happy end zusteuert, aber in überzeugender art und weise wird hier vermittelt, dass das leben schön ist, wenn man ihm mit einer gesunden einstellung begegnet. gerade in schweden. bei rückschlägen ziehen die protagonisten die notwendigen konsequenzen und lassen sich einfach nicht aufhalten in ihrem leben.
ohne mich jetzt intensiv mit dem damaligen zeitgeist auseinandergesetzt zu haben, wage ich zu behaupten, dass das „in schweden gemacht“ werden sehr treffend beschrieben wird (der august-preis für dieses buch, sollte mir recht geben). „underdog“ wäre jedoch ehrlicher gegenüber der geschichte und johan gewesen.
das lesevergnügen war anfangs harte arbeit. 430 seiten sind viel totes holz und gerade am anfang verliert der autor scheinbar den faden. die fülle an information, die dabei auf den leser einstürzt hat mich zu beginn ein wenig überfordert, denn eigentlich wollte ich ja nur ein buch, eine geschichte lesen und nicht jeden absatz mitten drin beim abdriften des autors. aber genau diese momente, wenn johann von einer beobachtung in sarkasmus, zynismus, unterkühlten schilderungen oder liebevollen berschreibungen übergeht, lernt man nach und nach zu schätzen und ist dankbar für so treffende bemerkungen. ein beispiel kann ich leider nicht geben, denn der aufbau ist nicht unwesentlich und würde hier die grenzen des zitierbaren überschreiten.

ganz schleichend tauchen bei der lektüre die bilder der wohnsiedlung vor augen auf. bodil (die mutter), monika (die schwester) und johan finden nicht mehr in den zeilen des textes, sondern mitten im kopf und je nach phantasie in der eigenen wohnung statt und man lernt die figuren zu schätzen. mit fortdauer der lektüre liest sich der text immer leichter und schneller.
das ende droht nicht, es überfällt einen. und dann steht johan kurz vor dem studium der juristerei, aber das ist sicher eine andere geschichte, für hoffentlich ein anderes buch.

ein klasse buch. vielen dank für das geschenk.






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